Meine Geschichte
Wie mein Haus in Benadalid mich gefunden hat
Mehr als dreißig Jahre lang war Berlin meine Heimat. Die Entscheidung, die Stadt zu verlassen, fiel mir entsprechend schwer. Berlin hatte mir sehr viel gegeben: Liebe, Kultur, berufliche Möglichkeiten und ein aufregendes Leben. Doch nach dem Ende einer langjährigen Beziehung und später einer weiteren Partnerschaft war meine Stadt nicht mehr das Berlin, das ich einmal geliebt hatte. Irgendwann wurde mir klar, dass Berlin mir das Leben, das ich mir inzwischen wünschte, nicht mehr bieten konnte.
Ich sehnte mich nach Sonne, Natur und einem Neuanfang. Spanien hatte ich schon lange wegen des Klimas, der Landschaft und der offenen Menschen geliebt. Trotzdem führte mich mein Weg zunächst nach Polen.
Ein Umweg über Polen
In einer schwierigen Phase entdeckte ich den polnischen Countertenor Jakub Józef Orliński. Seine Musik gab mir neue Lebensfreude und im Jahr 2024 reiste ich zu mehr als 25 seiner Konzerte in ganz Europa. Es wurde eines der schönsten Jahre meines Lebens.
Nach der Begegnung mit einem sympathischen Mann aus Danzig zog ich nach Polen und verbrachte einen Sommer in Sopot. Leider war es vermutlich einer der verregnetsten Sommer seit Jahrzehnten. Ich hatte genug von grauem Himmel und Regen. Nun stand endgültig fest: Ich brauchte Sonne.
Gemeinsam mit meinem damaligen polnischen Partner und seinem Hund packte ich das Auto. Wir verließen Sopot und fuhren mehr als 3.300 Kilometer bis nach Olvera in der Provinz Cádiz. Ein polnisches Umzugsunternehmen begleitete unseren Neustart und transportierte unsere Möbel und persönlichen Dinge quer durch Europa.
So begann mein spanisches Abenteuer.
Die Suche nach einem Zuhause
Zunächst wollte ich ein Haus in Olvera kaufen. Dieser Plan scheiterte jedoch, und auch unsere dortige Wohnsituation wurde zunehmend unangenehm und schließlich unhaltbar. Wir zogen weiter nach Ronda und lebten vorübergehend in mehreren Ferienwohnungen – mit einem Hund keine besonders einfache Angelegenheit.
Schließlich fanden wir ein Haus zur Miete und Ronda wurde zu unserem Ausgangspunkt für die Immobiliensuche. Die Gegend kannte ich bereits von früheren Besuchen. Die Landschaft rund um Ronda hatte mich schon damals fasziniert.
Gleichzeitig lernte ich sehr schnell, dass man sich außerhalb der touristischen Zentren nicht darauf verlassen sollte, mit Englisch weiterzukommen. Mietvertrag, Internetanschluss, Behördengänge und viele andere Dinge mussten auf Spanisch organisiert werden. Zum Glück hatte ich Jahre zuvor in Mexiko Spanisch gelernt, auch wenn das Andalusisch, das mir nun begegnete, manchmal wie eine völlig andere Sprache klang.
Die Immobilienpreise an der Küste waren hoch. Das Landesinnere rund um Ronda bot dagegen nicht nur günstigere Häuser, sondern auch eine spektakuläre Landschaft und ein ursprünglicheres spanisches Leben.
Zunächst konzentrierte ich meine Suche auf Montejaque. Mehrmals glaubte ich, dort das richtige Haus gefunden zu haben. Doch bei einem Objekt erhöhte der Eigentümer plötzlich den Preis, sobald ich Interesse zeigte. Zwei weitere Kaufversuche scheiterten ebenfalls. Irgendwann beschloss ich mit einem Augenzwinkern: Dieses Dorf möchte mich offenbar nicht haben.
Mein Haus hat mich gewählt
Wie entdeckte ich schließlich Benadalid?
Durch reinen Zufall.
Ich sah die Bilder eines Hauses mit einem außergewöhnlichen Blick über die Berge. Sofort stand es ganz oben auf meiner Liste, obwohl ich damals noch nicht einmal genau wusste, wo Benadalid lag.
Als ich zum ersten Mal auf der Terrasse stand und über das Valle del Genal blickte, konnte ich kaum glauben, dass dieses Haus noch nicht verkauft worden war. Unterhalb des Dorfes erstrecken sich Kastanienwälder, die sich im Herbst in unzählige Gold-, Rot- und Orangetöne verwandeln. Dahinter steigen die Berge der Serranía de Ronda auf.
Ich hatte Benadalid nicht ausgesucht. Ich hatte dieses Haus ausgesucht.
Oder vielleicht hatte das Haus mich ausgesucht.
Das Haus wurde als bezugsfertig angeboten. Die frühere Eigentümerin Carmen, eine wunderbare Frau, ließ fast alles darin zurück. Dadurch war es von Anfang an eingerichtet und bewohnbar. Was ich nicht erwartet hatte, war der außergewöhnlich nasse Winter, der kurz nach meinem Einzug begann.
Schon als ich nach dem Notartermin mit den Schlüsseln in der Hand nach draußen trat, regnete es. Der Kauf einer Immobilie in Spanien unterscheidet sich erheblich von meinen Erfahrungen in Deutschland. Plötzlich waren Kaufpreis und Schlüssel übergeben – und das Haus gehörte mir. Nun musste ich mich selbst darum kümmern, was als Nächstes geschah.
Der Regen dauerte monatelang. Sogar meine Einweihungsfeier fand bei strömendem Regen statt, während sich meine internationalen Gäste um den Kamin versammelten. Das entsprach nicht unbedingt dem üblichen Bild vom sonnigen Andalusien. Die Häuser in Málaga sind für Hitze gebaut, nicht für wochenlangen Dauerregen. Ein Luftentfeuchter wurde damals zu einer meiner besten Anschaffungen.


Aus einem Haus wird mein Zuhause
Im April hörte der Regen endlich auf. Mit dem besseren Wetter begann ich sofort, die Außenwände zu streichen und das Haus Schritt für Schritt zu verändern.
Später wurden Solarmodule auf dem Dach installiert. Außerdem kaufte ich mein erstes eigenes Auto: einen elektrischen Hyundai Inster. Er wird zu Hause geladen und fährt, wann immer es die Sonne erlaubt, mit der Energie von meinem Dach.
Nicht alles verlief reibungslos. Manche Arbeiten sind bis heute nicht vollständig abgeschlossen, und auch spanische Behördenportale haben mich mehr als einmal an den Rand der Verzweiflung gebracht. Dennoch gab es nur einen kurzen Moment, in dem ich mich fragte, ob der Hauskauf ein Fehler gewesen sein könnte.
Dann kam die Sonne zurück – und mit ihr verschwanden meine Zweifel.
Heute weiß ich, dass der Kauf meines Hauses in Benadalid eine der besten Entscheidungen meines Lebens war. Aus einem Gebäude wurde langsam ein richtiges Zuhause. Einen entscheidenden Anteil daran hatten meine Pflanzen. Als sie im Garten, auf der Terrasse und auf den Balkonen zu wachsen begannen, fühlte sich das Haus endgültig nach mir an. Die Bilder vom Tag meines Einzugs und von heute zeigen zwei kaum wiederzuerkennende Orte.
Auch die Solaranlage und das Elektroauto gehören zu diesem neuen Leben. Wer mitten in einer so eindrucksvollen Landschaft wohnt, sollte meiner Meinung nach versuchen, verantwortungsvoll mit ihr umzugehen. Als Mieter in Berlin konnte ich nur wenig verändern. Hier kann ich selbst entscheiden, wie ich mein Haus gestalte und welche Energie ich nutze.
Und ich kann Jakubs Musik in voller Lautstärke hören, ohne dass sich jemand beschwert.


Leben in Benadalid
Erst nach dem Kauf entdeckte ich, dass Benadalid ein kleines kulturelles Juwel der Serranía de Ronda ist. Über das Jahr verteilt finden erstaunlich viele Veranstaltungen statt. Jesús, der einen großen Teil des kulturellen Lebens organisiert, schafft gemeinsam mit den Menschen aus dem Dorf und der Umgebung Dinge, die man an einem so kleinen Ort kaum erwarten würde.
Die Kinder aus Benadalid und den umliegenden Dörfern brachten beispielsweise ihre eigene Version von „Der König der Löwen“ auf die Bühne. Wer glaubt, das Leben in einem andalusischen Bergdorf bestehe nur aus Ruhe und Abgeschiedenheit, dürfte überrascht sein.
Als schwuler Mann hatte ich mir vor dem Umzug kaum Gedanken darüber gemacht, wie das Leben in einem kleinen Dorf sein würde. Vielleicht hätte ich mir diese Frage früher stellen sollen. In Benadalid musste ich mir darüber jedoch keine Sorgen machen. Ich wurde freundlich aufgenommen und kann hier einfach ich selbst sein.
Das Einzige, womit ich bisher keinen Erfolg hatte, war mein Angebot, im Dorf Englisch zu unterrichten. Offenbar kann man in den Bergen auch sehr gut ohne englische Grammatik leben.
Was ich gelernt habe
Wer über einen Umzug ins ländliche Andalusien nachdenkt, sollte wissen, dass sich nicht alles bis ins letzte Detail planen lässt. Gute Vorbereitung hilft, aber mindestens ebenso wichtig sind zuverlässige Fachleute und die Bereitschaft, sich auf eine andere Lebensweise einzulassen.
Man sollte nicht glauben, jeden Behördengang, jeden Vertrag und jede steuerliche Frage allein bewältigen zu können. Eine gute Gestoría, ein sorgfältiger Anwalt und vertrauenswürdige Handwerker sind keine überflüssigen Kosten. Sie können viel Zeit, Geld und Nerven sparen.
Meine eigenen Erfahrungen – vom Immobilienkauf über Verträge und Renovierungsarbeiten bis zur Anmeldung von Solaranlage, Auto und verschiedenen Behördenangelegenheiten – haben mir gezeigt, wie wertvoll unabhängige Unterstützung sein kann. Vielleicht kann ich eines Tages anderen Menschen, die von einem Leben im ländlichen Andalusien träumen, mit meinen Erfahrungen und praktischen Hinweisen helfen.
Jeden Morgen ein anderes Bild
Mein Tag beginnt meistens gegen sieben Uhr. Als Erstes öffne ich die Fenster und lasse die kühle Bergluft in mein Schlafzimmer. Dann warte ich darauf, dass die Sonne hinter den Bergen erscheint.
Mit den ersten Sonnenstrahlen sieht es aus, als würde jemand das Licht über dem gesamten Tal einschalten. Die unzähligen Schwalben auf den Stromleitungen werden plötzlich lebendig und der Tag beginnt.
Anders als in Berlin, wo die Sonne im Sommer schon sehr früh am Morgen durch die Fenster scheint und erst spät am Abend verschwindet, bleibt es hier bis kurz vor Sonnenaufgang vollkommen dunkel. Dann verändert sich innerhalb weniger Minuten die gesamte Landschaft.
Kein Sonnenaufgang ist genauso wie der vorherige. Das Licht, die Wolken, die Farben und die Schatten über den Bergen sind jeden Morgen anders.
Ich werde dieses Schauspiel vermutlich niemals sattsehen.
Willkommen in meinem Zuhause.
Willkommen in Brisa de Benadalid.
